Da ein Gedanke, dort ein Gedanke, sie reihen sich aneinander und das Meer der Welt zieht sie hinaus in die Weite, wo sie nach einer Weile versinken. Sie sind bedeutungslos, nicht weil sie schlecht wären oder falsch, auch nicht weil sie nicht mitgeteilt würden, sondern weil das Meer der Welt zu groß ist für sie, selbst wenn es große Gedanken sind, weltumspannende Gedanken, die Kraft in sich haben und Potential zu wirken. Manchmal sind es Gedanken, die wirken so gar noch in der Tiefe des Meeres fort, wie U-Boote, die gelegentlich wieder auftauchen, um dann nach einer Weile wieder hinab zu sinken in die Tiefen des Meeres. Solche Gedanken sind es, um die es wirklich geht. Sie scheinen ein Eigenleben zu haben, so wie Fische, wie Delphine und Wale.
Nun sah ich ein Theaterstück, Jedermann von Hugo von Hofmannsthal in der Leipziger Inszenierung von Kruse & Co.. Bekanntlich leitet sich dies Theaterstück aus mittelalterlichen Mysterienspielen ab. Engel und Symbolgestalten standen auf der Bühne und spielten wie die Menschen. Solch ein Bild hatte ich schon einmal gesehen. Es war ein barockes Gemälde auf dem im Himmelsgewölbe der liebe Herrgott mit seinen Engelsscharen zu sehen war, doch die klare Grenze zwischen Im Himmel und Auf Erden war aufgehoben. Himmelsgestalten wirkten beim Geschehen auf der Erde mit: Amor mit seinem Pfeil und dort eine Nymphe und ein Faun, ganz zu schweigen von anderen, noch mächtigeren Naturgewalten.
So malten sich die Menschen in alten Zeiten aus, was heute schlicht die treibenden Kräfte, die Über-Ich Instanzen, die sittlichen Normen und das Gewissen sind.
Im Schlussakt ging der Protagonist Jedermann begleitet vom Tod in den Tod. Gleißendes Licht aus einer Scheinwerferbatterie blendet ins Publikum. Die beiden verschwanden im Licht, dann wurde es dunkel. Vom ewigen Licht her gesehen leben wir Lebenden im Dunklen. Gott stand auch auf der Bühne. Er saß wie ein römischer Kaiser auf einem Thron. Eine der Wurzeln der Gottesidee, die ihr reales Abbild in seinem Stellvertreter auf Erden im Vatikan findet. Eigentlich, so dachte ich, hätte diese Gestalt immer nur im gleißend, blendenden Licht, unerträglich hell, zu sehen und eigentlich nicht zu sehen sein dürfen.