Es war Samstag, der große Einkaufstag, an dem es nach allen möglichen Erledigungen und einem Bummel über den Markt, immer die Gelegenheit gab, Freunde zu treffen. Maren hatte sich mit ihrem Lover Malte im Cantona verabredet und kam natürlich sofort auf die letzten Ereignisse im BZM zu sprechen. Sie stöhnte. „Weißt du, ich werfe es mir vor. Ich hätte in der letzten Teamsitzung, als der Bayer mit der Arbeitspause kam, den Mund aufkriegen müssen. Habe ich aber nicht. Zum einen war ich einfach platt von dieser Dreistigkeit, von diesem unverschämten, rücksichtslosen Affront, dass sie jetzt ohne Grund die Pausen nicht mehr bezahlen wollen, dabei haben sie im letzten Jahr sogar Gewinn gemacht. Mir fiel einfach kein Gegenargument ein und zum anderen, …“ – Malte: „Schatz, das weiss ich doch schon alles, du drehst dich wie eine Traumatisierte im Kreis.“ In diesem Moment kam Caroline vom Tagdienst mit ihrem Freund Marco ins Café. Sie begrüßten sich und die beiden setzten sich zu ihnen. Maren war es, als säße sie auf heißen Kohlen mit ihrer BZM Geschichte. Ohne weiter auf die Umstände zu achten, dass Marco und Malte sich nicht kannten und sie im Wochenende waren, legte sie los und fiel wieder mit ihrer Entrüstung nun über Caroline her. Brühwarm erzählte sie ihr die ganze Geschichte, wobei ihr Hintergedanke darin bestand, von Caroline zu erfahren, wie es eigentlich in den Tagesdiensten mit den Pausen stand. Während dessen schlürfte Caroline ihren Pfefferminztee und wurde ungeduldig, dass sie so gar nicht zu Worte kam. Marco und Malte schauten sich groß an, da sie sich aber nicht kannten, kamen sie selber nicht ins Gespräch, was Maren aus den Augenwinkeln auch wahrnahm, aber nicht ändern konnte. Sie war mitten drin und konnte unmöglich aufhören, ohne mit ihrer Geschichte auf den Punkt gekommen zu sein. „Mist!“, dachte sie, während Caroline den letzten Schluck aus ihrer Teetasse leerte, ein paar Worte murmelte, dass sie auf ihrer Wohngruppe kaum irgend welche Sachen von den anderen Wohngruppen mitbekäme und dass über die Arbeitsverhältnisse einfach nicht gesprochen wurde, auch nicht darüber, dass laufend Kolleginnen kündigten, was wegen der Einarbeitung der Neuen eine enorme Belastung darstellte. „Sag“, meinte Caroline, „ihr bekommt doch Zeitzuschläge und zwar 10 Minuten anstatt wie gesetzlich vorgeschrieben 6 Minuten. An die wollen sie noch nicht ran?“ Maren: „Nein, bislang noch nicht, da haben sie ja noch etwas in petto. Aber, da sagst du was: Mit diesen Zeitzuschlägen arbeiten wir effekiv über neun Stunden …“ und wie aus einem Munde sprachen Maren und Caroline den Satz zu Ende: „ … und ab neun Stunde gibt es eine Stunde Pause.“ Die beiden grinsten sich an wie Honigkuchenpferde und gaben sich fünf, in dem Caroline Maren die offene Handfläche hinhielt in die diese hineinklatschte.“Hey, super! Da bin ich ja gespannt, was da bei euch raus kommt. Halt mich auf dem Laufenden.“ Damit schaute Caroline rüber zu ihrem Marco und wußte, er wollte nur weg, wollte mit ihr nach Haus, um mit ihr allein zu sein. „Sorry“, meinte sie zu Maren „wir wollten nur kurz etwas trinken. Laß uns ein andermal darüber weiter reden. Wir gehen jetzt nach Haus“, wobei sie Marcos Augen suchte und ihn aufmunternd anlächelte. Maren schnallte sofort, dass sie sich mehr hätte zusammen reißen müssen. Sie ärgerte sich über sich selbst. Sie hätte Marco und ihren Malte irgendwie ins Gespräch bringen müssen.Später meinte sie wieder zu ihrem Malte. „Ich fühle mich ganz blöd, so gedemütigt und klein gemacht, weil ich Angst hatte und immer noch habe, weil ich den Mund nicht aufkriegte, weil, dann hätten sie mich auf dem Kicker und würden mir kündigen. Weißt du, ich will einfach keinen Ärger haben und einen ruhigen Job. Und gerade jetzt, wo wir für drei Monate auf Reisen gehen. Ich will mir doch nicht das Arbeitszeugnis wegen einer solchen Sache versauen. Und wenn wir zurück sind, dann stellen die mich bestimmt nicht wieder an, wenn ich jetzt auf Revoluzzerin mache. Kurz, wenn ich jetzt als Rädelsführerin auffalle, dann kann ich mir einen Job bei der BZM abschminken. …. Und, Malte, höre! Andererseits, wenn ich nichts sage, dann komme ich mir auch ganz dumm vor und miserabel, dass ich mir so etwas gefallen lassen muss. Glaub mir, ich möchte dann in solch einem Laden nicht mehr arbeiten, in so einer Klitsche, in der man so runter gemacht wird und noch nicht einmal den Mund aufmachen kann.“ Sie schaute Malte verzweifelt an. Ihre traurigen Augen, in denen sich Tränen sammelten, sprachen mehr als ihre Worte von der Seelennot, in der sie sich befand. Malte zog sie in seine Arme, herzte sie und küsste ihr die Tränen von den Augen. „Woau! Liebes, komm!“ sagte er. „Ich kann es gar nicht leiden, dich so zu sehen. Schau, ich bin doch auch noch da. Du mußt dir keinen Kopf machen, wenn es hart auf hart kommt mit der BZM.“ – Maren: „Das sagst du so. Ich bin eine selbständige Frau. Wer weiß, ob wir von unserer Reise zusammen zurückkommen und dann stehe ich hinter her alleine da.“ – Malte: „Verstehe. Ich, als Mann, an deiner Stelle, verlasse mich auch lieber mehr auf mich und meine Fähigkeiten, auf meine Möglichkeiten, als dass ich auf andere angewiesen bin. Aber du bist kein Mann, sondern eine Frau und ganz ehrlich, dich ein wenig mehr von mir abhängig zu wissen, das machte mich sicherer, das machte mich stärker, warte, das machte mich …?“ Maren: „Männlicher?“ – Malte: „Ja, auch und selbstbewusster, dir gegenüber in unserer Beziehung. Das fühlt sich gut an. Ich kann nichts dafür. Das ist einfach so.“ – Maren: „Macht haben über andere fühlt sich gut an … ?! Warte, habe ich das auch? Fühle ich das auch so? Ich sage dir nur, du trägst damit auch Verantwortung und damit habe ich dich dann. Du wirst deines Lebens nicht mehr froh, wenn du mich unter solchen Bedingungen hängen lässt, jedenfalls, wenn du der bist, den ich mir in meinem Herzen vorstelle, also, wenn du wirklich der Mann bist, den ich liebe.“ – Malte: „Ja, und wenn wir uns nicht mehr lieben? Schau doch nur diese erstarrten Beziehungen und Ehen an, mit Kindern, Haus, Schulden und den Eltern, sprich den Großeltern, diese gutbürgerlichen Familien mit ihrem Weihnachtsglück Theater, dass sie jedes Jahr aufführen. Da geht doch nichts mehr und die haben sich alle mal geliebt.“ – Maren: „Darum ist mir meine Unabhängigkeit als Frau ja auch so wichtig und deswegen liebe ich meinen Job. … Nur, aus demselben Grund ist es mir bei der Arbeit auch so wichtig, dass die Verhältnisse stimmen und nicht dieselben Machtspielchen wie zu Hause laufen und genau solche Abhängigkeitsverhältnisse herrschen. Das ist doch widerlich.“ – Malte: „Geschäft, von anderen etwas günstiger oder mehr zu wollen, dass ist doch überall so. Der Punkt bei euch im Team ist jedoch, dass die meisten irgendwie mit ihrer ganzen Existenz da dran hängen und nicht so mal eben zu einem anderen Autohändler gehen können, wenn der erste in der Gegend im Preis nicht nachgibt.“ – Maren: „Typisch, deine ökonomische Denke, die ist auch voll patriarchial. Bei uns auf der Arbeit geht es doch um was ganz anderes. Gestern Nacht zum Beispiel, da habe ich eine ältere Kollegin eingearbeitet. So eine richtige Mutti, weißt du und die meint es gut und der liegt etwas an den Behinderten und die macht das gerne, aber glaub mal, als es um die Arbeitspausen ging, da hiess es nur, die da oben haben das beschlossen und dann wird das schon richtig sein und ausserdem der Streit, der Tonfall, mit dem der Herr Geschäftsführer damals angegangen worden sei, der wäre ganz hässlich und gemein gewesen und das könne und das wolle sie nicht mitmachen. Lieber verzichte sie und gebe nach. Es sei doch kein schlechter Job und so schwer wäre es doch gar nicht während der Nacht. So redete sie und ich merkte, wie sie sich einen in die Tasche log, nur um keine Auseinandersetzung zu haben. Und so war es auch mit einer anderen Kollegin. Wir müssten doch so wenig tun in der Nacht und bekämen noch Geld dafür. Die beiden machten mich ganz mutlos, ganz hilflos. Die kuschen lieber, anstatt dass sie sich auf ihre Hinterbeine stellen. Und für die soll ich die glühenden Kohlen aus dem Feuer holen? Ich spinne doch nicht. Ich gehe lieber.“ – Malte: „Da, wo du hingehst, waren sie aber auch schon. Früher hieß es Aussteigen, bis die Aussteiger merkten, dass sie im gleichen Atemzug woanders einsteigen und dass der US Dollar längst vor ihnen da war. Solchen Illusionen gehe ich nicht mehr auf den Leim.“
Fortsetzung: Das Teamessen zur Weihnacht