Auf gute Zusammenarbeit

Januar 16, 2022

Presseunterrichtung von Bundeskanzler Olaf Scholz und dem niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte nach ihrem gemeinsamen Gespräch

Bundeskanzleramt Berlin, 13. Januar 2022, DG

Wer ist dieser Mark Rutte? Eine Frage, die sich gleichermaßen bezüglich des neuen Bundeskanzlers Olaf Scholz stellen läßt. Wer ist der andere?, das ist eine Menschheitsfrage, die immer wieder neu gestellt wird und in ihrer Beantwortung eine Spiegelung als Antwort ergibt auf die Frage: Wer bin ich? Man kann sich diese Frage alleine stellen und versuchen eine Antwort zu finden. Wie sooft zeigt sich, dass wenn man gemeinsam in einer Begegnung dieser Frage nachgeht es einfacher ist, eine Antwort zu finden.

Also, durch dich erfahre ich mich selbst und du dich selbst durch mich. Mir ist das bedeutsam, weil in der unübersichtlichen Gemengelage basisdemokratischer Spaziergänge des Anti-Corona Protestes Menschen aus ganz unterschiedlichen Lagern aufeinander treffen und nicht von vornherein klar ist, mit wem man es zu tun hat, ob der andere also ein Gleichgesinnter oder aber jemand ist, der mich für seine politischen Zwecke instrumentalisieren will. Letztlich bleibt bei solchen Begegnungen nur, auf seinen eigenen Sinnes-Verstand zu vertrauen, eingedenk der Tatsache, dass dieser anfällig ist für Lug und Trug, für Wunschdenken und Projektionen.

Was im kleinen, persönlichen Rahmen gilt, läßt sich auf die große Politik übertragen. Da begegnen einander Menschen, sie haben auch schon einmal von einander gehörtund natürlich sind solche Gespräche vielfältig vorbereitet.

Wiki erläutert, Rutte sei seit 2010 Ministerpräsident, inzwischen im vierten Kabinett jeweils mit unterschiedlichen Koalitionspartnern, wobei die jüngste eine Mitte-Rechts Koalition ist. Eine Gegebenheit, die im EU-Rahmen mehrheitlich anzutreffen ist.

Scholz sucht erst einmal Gemeinsamkeiten, kommt auf den Ukraine-Konflikt mit Russland, auf den europäischen Aufbau-Fonds und auf die ehrgeizigen Vorhaben seiner Klimapolitik zu sprechen.

Wow, sag Rutte. Und läßt zwiischen seinen Worten an sein Dienstalter denken, also an seinen Erfahrungsvorsprung vor allem in Hinsicht auf die europäische Politik. Der Führungsanspruch den die Konservativen derart erheben, meint nicht nur die Verhandlungsführung im Ukraine-Konflikt, sondern ganz nebenbei versteht er sich auch in Bezug auf Klima-Investitionen für Offshore Windenergieanlagen, die auch für Deutschland bedeutsam sind. Wenn dies mehr meiner Fantasie entspricht, denn tatsächlich geht es um die Abhängigkeit vom russischen Erdgas und die Deeskalation der militärischen Bedrohung und Wahrung der territorialen Integrität der Ukraine, welch Zungenbrecher für Scholz.

Die holländischen Journalisten fragen Rutte aufrührerisch nach dem Plan, 2 neue AKWs zu bauen, Es gab Proteste sowohl in Holland als auch in Deutschland, die zusammen spielten mit den Anti-Corona Protesten in beiden Ländern. Bezüglich der holländischen Ultrarechten führte er aus, es gäbe keine Pläne diese Parteien zu verbieten.

Scholz hörend, ging mir durch den Sinn, dass das Thema Klimaneutralität eher eine Sache der Grünen aussenministerin ist genauso wie Offshore Windkraft Anlagenund, Solar-Energie in Frankreich, Spanien, Süd-Ost-Europa, Als Bundeskanzler hat Scholz mit seinem Kollegen Rutte dafür zu sorgen, dass es zu erfolgreichen Kooperationen kommt, also dass es eine gemeinsame EU-Politik z.B. in Hinsicht auf die französischen und die EU AKW Pläne gibt.

Ruttes Anmerkung bezüglich der Olympischen Spiele, wegen Corona nicht nach Peking zu reisen, erschien mir als diplomatischer, um nicht zu sagen gesichtswahrender Entschuldigungsgrund gegenüber dem so bedeutsamen Handelspartner China.

Gute Zusammenarbeit weiter vertiefen

Video der Pressekonferenz von Bundeskanzler Scholz gemeinsam mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Rutte

Frau Schindler aus Bremen

Juni 20, 2018

Leipzig im Juni 2018

Den Film haben viele gesehen, die Tragik und den Helden Schindler, den Retter, der mit Betrügerei einigen das KZ ersparte und den Tod. Herr Schindler wurde gefeiert vom Kino, ein wahrer Kassenschlager, der an die Greuel erinnerte und an wahres Heldentum, das es freilich in dieser Weise nur im Kino gibt, unterlegt von Musik und weit weg entweder in historischen Zeiten oder in ScienceFiction Fantasien zukünftigen Zeiten.

Solange es auf der Leinwand ist, im Kino und auf dem Heim Großbild Monitor, solange bleibt das sichere, ruhige Leben Daheim, dies Idyl des friedvollen Seins erhalten. Nicht dass es dort keinen Trouble gäbe oder die Auseinandersetzungen auf der Arbeit, es gibt wirklich genug Ärger, Stress, ungelöste Probleme, Verantwortlichkeit und Angst, Angst vor dem Chef, vor der Kollegin und dass dem Kind etwas passiert. Da helfen Kinofilme wie Schindlers Liste oder Die weiße Rose oder Das Staufenberg Attentat, die helfen, weil sie erfolgreich vormachen wie es gehen kann, was nicht geht im Lebensalltag. Immer wieder gibt es da Streit und Auseinandersetzungen. Immer wieder bin ich selber davon betroffen, immer wieder kommt es zur Konfrontation mit der Macht, der Autorität und ich versuche mich heraus zu halten, wobei ich den verständnisvollen Beobachter spiele und sowohl der einen Seite als auch der anderen Seite wohlgefällig, ja, fast unterstützend zur Seite stehe, solange ich alleine mit ihr bin. Wenn es aber brenzlig wird, wenn die Auseinandersetzung eskaliert, dann bin ich weg irgendwo mich versteckend am sicheren Rand, wo mir weder von dem einen noch von dem anderen etwas passieren kann, denn ich will nicht hineingezogen werden und Partei ergreifen und dann untergehen, Schmerzen spüren, Leid erfahren durch diese ewigen Kämpfe um mehr, um besser, um schöner, liebevoller, geiler. Nein, ich will nicht, es sei denn, der Sieg ist sicher und dann ist alles vorbei. Ja, ich bin ein Opportunist, ein Fähnlein im Wind. Insofern interessiert es mich nicht, was die in den Nachrichten erzählen. Was habe ich mit den Vorgängen in irgend einer Behörde zu tun? Nichts, außer vielleicht in meiner eigenen. Das machen die schon, die da oben machen das schon und zwar vor Gericht und im Bundestag mit einem Untersuchungs-Ausschuß machen die das, ganz offiziell, denn dass das Recht gebeugt wird, Anordnungen und Erlasse nicht befolgt werden, das geht nicht. Wo kämen wir denn dahin, wenn das Schule macht und jeder anfängt nach seinem Ermessen zu entscheiden, was menschlich ist? Außerdem, es geht nicht um Menschenrechte, um die Flüchtlings-Konventionen, um die UNO. Es geht darum, dass die Verfahrensweisen, die Regeln, die Bestimmungen eingehalten werden, unbedingt, weil Law and Order, weil der Kopf denkt, entscheidet und bestimmt und der Rest folgt. Verstanden! Mithin, es geht auch nicht um Einzelschicksale, die noch so tragisch sein können, es geht um das Ganze, um das Wohlergehen und den Zusammenhalt des Ganzen. Dem sind wir verpflichtet, als dem wirklichen, höchsten Gut, das es zu bewahren, zu beschützen gilt. Was sind schon 1.200 Einzelschicksale von Asylbewerbern gegen Millionen, gegen uns alle und unser Wohlergehen? Nichts und darum kann es keine Privat-Entscheidungen, keine Ermessens-Entscheidungen und vor allem keine Ausnahmen geben, denn vor dem Gesetz sind alle gleich.

Im übrigen, wer es in unserem Staat wagt, Juden mit Flüchtlingen, mit Asylanten, mit Arbeits-Immigranten gleichzusetzen, der ist nicht nur ein Nestbeschmutzer. Vielmehr macht er sich schuldig. Zum einen bagatellisiert er das grausame Schicksal des Holocaust und zum anderen die beträchtlichen Leistungen, die wir schon vollbracht haben. Als wenn das alles nichts wäre, was wir schon gemacht haben: Die Notquatiere, die Patenschaften, die Kleidersammlungen, die Hilfsleistungen, das viele Geld und die viele Arbeit als wäre das unmenschlich und nichts. Nein, es gibt Grenzen und die werden durch Regeln, Verordnungen, Erlasse bestimmt und daran hat sich jeder zu halten und nicht etwa ein Privatsüppchen zu kochen. Das sieht doch wohl jeder ein, oder? Für die, die das nicht einsehen, haben wir keine Verwendung. Die brauchen wir nicht. Die sollen zu sehen, wo sie bleiben. Und für diejenigen, die meinen, dass sie selbstherrlich nach eigenem Gutdünken Erlasse, Verordnungen und Gesetze übertreten könnten, haben wir empfindliche Strafen, nicht nur Geldstrafen, parat. Sie dienen der Abschreckung als auch der Wiedergutmachung des entstandenen Schadens, Frau Schindler, deshalb verurteile ich Sie, zur Höchststrafe und noch mehr. Im Namen des Volkes, hölzern klackt der Hammer im Saal.

3 Grasspflanzen pro Balkon

Juni 11, 2018

Hanfmesse Mary Jane, Berlin, 8. – 10. Juni 2018

2018-06-10 Hanf Messe3 Grasspflanzen pro Balkon, das war nicht weniger als eine politische Forderung, die die Gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Maria Klein-Schmeink, MdB, auf der Mary Jane, der Berliner Hanf Messe, formulierte, eine Absichts-Erklärung, die schon mit der Ablehnung des Canabis-Kontroll-Gesetzes der Grünen im Mai 2017 vom Tisch war. Die Frage, die sich mir als Zuhörer der Podiumsdiskkussion „Wann wird Cannabis legal?“ nun mehr stellte war, ob Klein-Schmeink derart zum zivilen Ungehorsam aufrief. Was sich auf dem Marsch durch die Institutionen, in diesem Fall die gesetzgeberischen des Bundestages, angefangen mit dem Ausschuss für Gesundheit, nicht durchsetzen ließ, weil die Mehrheiten nicht da waren, soll nun mehr durch die Schaffung gesellschaftlicher Realitäten zum kulturellen Selbstverständnis eines modernen Lebens werden, dem die nachhinkenden Institutionalisierungen (ob nun kommerzielle Unternehmungen oder medizinische Anwendungen) oder die gesetzgeberischen des Staates allenfalls noch Ausdruck durch entsprechende Gesetzgebung verleihen können.

Der Rückblick auf das Werden der Gesetzgebung für queere Lebensformen oder der Abtreibung oder für die fortschreitende Emanzipation der Frauen, zeigt die kontroversen Positionen quer durch die Mitte der Gesellschaft. Diese spiegeln sich dann repräsentativ quer durch die Mitte der Parteifraktionen. Die entsprechende Beförderung gesellschaftlicher Fakten, also dessen, was immer mehr Menschen machen, meint dabei eine Frontlinie strittiger, lebensalltäglicher Handlungsfelder. Es handelt sich quasi um ein vermintes Spezialgebiet einer Borderline Formation, deren explosive Sprengkraft insbesondere in der Angst vor Autoritäten, wie eben der Polizei und dem Überwachungsstaat, ruht.

3 Grasspflanzen auf dem Balkon oder im Hausgarten, hinten links bei der wilden Pflaume, die so wunderbar im Frühling blüht, konfrontieren durch ihr schieres Dasein, Wachsen, Duften und wahrgenommen Werden. Andere sehen sie, wissen, was für eine Wirkung sie haben und wer sie gebraucht. Sie produzieren mithin einen Selbstbild-Anteil. Ob freilich tatsächlich über sie gesprochen wird, ob die Nachbarinnen, die Mütter im Hinterhof Spielplatzgarten, munkeln oder ob im Keller beim Fahrrad Hinaustragen gelegentlich ein Wort zu meinen Pflanzen fallen wird, kann ich noch nicht abschätzen, aber es macht mich neugierig, einen solchen „Sozial-Versuch“ zu starten.

Ich gehe davon aus, dass es ruhig bleiben wird, dass die Polizei nicht vorbei kommt. Sie hat anderes zu tun. Wie ist die Gesetzeslage? … Bei anwalt.de, ohne Datum, obwohl das ganze in Schwung ist, erfolgt der Tip, nur 1-2 Pflanzen anzubauen, gleichzeitig weist der Artikel auf das Verbot des Betäubungsmittelgesetz hin. Das ist widersprüchlich. Beim Deutschen Hanfverband finde ich eine eindrückliche Geschichte „Hausdurchsuchung wegen Pflanze auf Balkon, Jahrgang 2013, die mich fragen läßt, ob die Kräfte der polizeilichen Exekutive im Jahr 2018 noch immer derart rigide agieren oder ob die Legalisierungsdebatten inzwischen zu einem weiteren Erlahmen staatlicher Ausgrenzungspolitik führten. Denn darum handelt es sich, um eine Ausgrenzungspolitik des konservativen Regierungsflügels, also durch die herrschenden Mehrheitsverhältnisse und ihre Exekutivorgane.

Kann sich eine Demokratie, eine multikulturelle Gesellschaft, dies noch leisten angesichts rechtspopulistischer Tendenzen? Oder anders gefragt: Wollen sich die herrschenden Mehrheitsverhältnisse, die ohne Frage konservative sind, von eben dem Model der offenen, multikulturellen Gesellschaft verabschieden?

Was sagen nun insbesondere die Podiumsteilnehmer Thomas Isenberg, Gesundheitspolitischer Sprecher der SPD im Berliner Abgeordnetenhaus und MdB Klein-Schmeink dazu?

Mein Besuch der Bundesagentur für Arbeit

Mai 30, 2018

Nürnberg, 14.45 Uhr, 18. Mai 2018, DG

Nach dem morgendlichen Akkreditierungsflop zur Eröffnung des Fürther Ludwig Erhardt Zentrums nun mehr die Angst, desgleichen könnte mit dem Termin bei der Bundesagentur für Arbeit passieren. … Eine Nachricht erhielt ich von der Presse-Abteilung der BA nicht. … ans Telefon ging auch niemand … dann ein Rückruf, eine Dame in gebrochenem Deutsch nahm sich meiner an und übersandte die vergeblich auf den BA Web-Sites gesuchte Presse-Information zum Besuch des Bundespräsidenten und obersten Dienstherren aller Bundesbehörden … mein Handy meldete: Daten-Volumen aufgebraucht. Ich hatte keine spezifische Anwendung, ein Video oder dergleichen, laufen, das war Volumen-Klau. Derart fiel das Navi aus, ebenso die Möglichkeit, Infos nachzuschlagen, z.B. ob bei der Eröffnung des Thomas Mann Hauses in California ein Lifestream zur Verfügung gestellt wird. Wieder kam die Fantasie hoch, das haben „Die“ gemacht, Die da Oben. Ich fühlte mich unter Beschuss, torpediert und von platzenden Granaten bedroht. Das sind Kriegs-Fantasien, Kriegs-Abenteuer und ich ein SPD Partei-Soldat, da ich Franky, dem Bundespräsidenten, folge. Bin ich deswegen ein SPD Partei-Soldat? Gibt es die überhaupt noch? … Oh ja, es gibt sie noch – das stehende Heer der Parteitags-Maschine als auch im Bendlerblock, dort jedoch mehr als Partisan, insbesondere der Liebe.

Worum geht es denn eigentlich? Als wenn ich gerade euch das sagen würde. Wenn ihr selber es nicht wisst, was wollt ihr dann wozu von mir wissen? Dein lachendes Schweigen ist mir Antwort.

Umzuschalten auf den Prä-Navi-Modus, auf den Prä-Digi-Modus, kam einem Rückfall in die Steinzeit gleich, n‘est il pas? Aber es ging. Die Leute waren freundlich in Nürnberg, wenn ich sie nach dem Weg fragte. Andere wieder waren unbeherrscht und schimpften böse über meine unentschlossene Fahrweise. Die Leute in Bayern, die ja zumeist keine Ur-Bayern sind, genauso wenig wie zugewanderte Flüchtlinge, Kriegsflüchtlinge und zwar Ostpreußen, die folglich z.B. keine Ur-Hannoveraner sind, spiegeln allenfalls ur-typische Eigenschaften der Kultur ihres Landes … ihres Landes? … welchen Landes? Denn: Woher kommen sie denn eigentlich?

Wenn ich auf die Ur-Bayern und ihre ur-typisch bayrischen Eigenarten komme, dann bringt mich das unweigerlich zum Ur-Adel. Wer sonst könnte mit Bestimmtheit aufgrund seiner Abstammungslinie das Ur-Bayrische für sich reklamieren? Dass die Abstammungslehre wieder als Legitimation für Herrschaftsansprüche herhalten soll insofern, als dass sie als hintergründige, tiefenpsychologisch wirksame Quelle für die Kraft klaren Wassers, die Reinheit der Natur, also für die Gesundheit des sagenhaft umwobenen Volksganzen herhalten soll, um synonymhaft und verklärt die parteimäßige Besetzung gewisser Ministerien zu rechtfertigen, knüpft an vor-demokratische also monarchische, vor allem höfische Herrschaftsverhältnisse an, soll heißen wer die Abstammung seiner Familie mindestens bis zur Zugehörigkeit zur höfischen Gesellschaft Ludwigs II. belegen kann, hat Anspruch auf einen Staatsposten.

Ich erinnere, beim Geburtstag zählte der Onkel stolz seine Leute, sein Minister-Team, auf. Es handelte sich ausschließlich um die medial durchs abendliche Fernseh-Schauen vermittelten Identifikations-Gestalten seiner konservativen Bundesminister. Anhand ihrer floss ihm selbst Kraft und Stärke zu. Mir kam es allerdings so vor als wenn er die Aufstellung einer Schlacht-Ordnung anhand seiner Obleute vornahm. Als ginge es darum, einen Bauern-Aufstand niederzuschlagen. Sein Haus, die akkurat und sauber gehaltene Grünanlage mit den christlichen Stein- und Holzfiguren irgendwie … nun ja, aufgesetzt und nachgemacht, und eben nicht durch eigene Arbeit veredelt, verhielten sich zu dieser eingekauften Kraft und Stärke wie Söldner, die für Geld in seinen Diensten standen.

Wozu holt er sich klösterliche Kunstobjekte ins Haus, wenn er doch gar kein Kirchgänger, geschweige denn Klosterbruder war?, jedenfalls nicht das ich wüßte und auch nicht nach dem, wie er spricht und was er vermittelt. Seine Wohlhabenheit, diese US-amerikanische Weite als auch stilvolle Ausgestaltung seines privaten Villenreiches beeindruckte mich sehr wohl. Die Höhe seines Wohnraumes, einer Halle gleich, die Gediegenheit seines Bades mit eingelassener Wanne und rollstuhlgängigem Dusch-Kabinett, vermittelte mir das Habitat des gehobenen Mittelstandes, denn zu mehr hatte er es dann doch nicht gebracht, war also nicht aufgestiegen in die Gefilde der unteren Oberschicht. Er würde dann in einem Anwesen wohnen, einem restaurierten Schlösslein, umgeben von einem Park. Unklar blieb mir, ob er die Villa mit der Tante teilte, ob sie überhaupt vorkam in seinem Leben, denn sie schienen sich nicht gut, so dass der Hinweis darauf, dass er die Leiter herunter lassen könne, um nach oben in sein Büro hinaufsteigen zu können, wo er offensichtlich Abgeschiedenheit zelebrierte, diesen Eindruck verstärkte.

Soweit also zu den Arbeitgebern, den Senior Partnern, den Rentiers, für die das Arbeitsheer den Mehrwert zu erarbeiten hat.

Als Bundesbehörde ist die BA, die Bundesagentur für Arbeit, das Headquater der Arbeitsämter und JobCenter und somit Auftragnehmer des Arbeitsministeriums von Hubertus Heil, SPD. Als Vorstandsvorsitzender der BA wurde 2017 aus dem Hamburger Klüngel des Finanzministers Olaf Scholz kommend, Detlef Scheele vom Verwaltungsrat der BA gewählt. Das Präsidium dieses Verwaltungsrats kam nun zusammen, um mit Franky über Langzeit-Arbeitslose, Flüchtlinge und die Digitalisierung der Arbeitswelt zu sprechen.

Frankys Äußerungen auf dem DGB „Parteitag“, dem 21. DGB Kongress, ein paar Tage zuvor, wurden bei der BA natürlich aufmerksam zur Kenntnis genommen, wenn seine Äußerungen nicht gar aus dem Arbeitsministerium als auch durch die BA inspiriert wurden. Sein bundespräsidiales Statement bestand darin, den Staat von einer garantierten Versorgung der Langzeitarbeitslosen mittels eines bedingungslosen Grundeinkommens freihalten zu wollen. „Ich sehe jedenfalls keine Verlockung darin, Sozialpartnerschaft und tradierte Formen der Gehaltsfindung für gescheitert zu erklären, und dem Staat diese Aufgaben mit der Zahlung eines bedingungslosen Grundeinkommens aufzubürden.“ Das waren die alten Töne, die zu Hartz IV führten und zum Niedergang der SPD. Franky & Co. wollten nicht begreifen, dass das Thema Arbeit und Einkommen der Schlüssel nicht nur zu politischem Erfolg, sondern vor allem zur vorsichtigen Gestaltung der Gesellschaft waren. Als wenn die tradierten Formen der Gehaltsfindung, nämlich Tarif-Verhandlungen der Gewerkschaften, irgend etwas an der massenhaften Freisetzung von menschlicher Arbeitskraft, insbesondere gegenwärtig durch die Digitalisierung 4.0 änderten. Zudem, wer setzte sich tariflich für die Belange der Arbeitslosen ein? Wer forderte Anhebungen des Existenzminimums? Wo war die Solidarität der Gewerkschaften, insbesondere von Frank Bsirske, dem Ver.di Vorsitzenden, wenn es um Tarifverhandlungen im Öffentlichen Dienst ging, aber die Grundeinkommen der Arbeitslosen unberührt blieben?

Es geht um die Entlastung prekärer Arbeits-, als auch Unternehmens- und Geschäftsmodelle, denn womit läßt sich noch Geld verdienen? Doch Franky hält an seiner Schröderischen Grundentscheidung fest: Langzeit-Arbeitslose sind Schmarotzer und der nach Rechts zur AfD abgewanderte Wählerstamm schimpft weiter, sie gehörten vergast und vernichtet, insofern es Sozis sind. In solch einer Denke artikuliert sich die Härte der Arbeitswelt und des Einkommenserwerbs. Wieso sollten die einen schuften, schwitzen, rackern, sich mühen, wohingegen andere sich für Null einen faulen Lenz machen können? Wieso sollten Mini-Jobber kaum bessser oder fast gleich gestellt sein mit Grundeinkommensbeziehern? Ja, wieso? Bei solchen Überlegungen wird einfach nicht bedacht, dass die Einkünfte aus Mini-Jobs ein Surplus oben drauf wären auf ein Grundeinkommen.

Sicherheitscheck im Foyer der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit, ein riesiger Gebäudekomplex dessen Modernität aus den 70er Jahren zusehends als Leichtbau zerbröselt. Der Schnüffelhund der Polizei, so berichtet mir einer der BA Sicherheitsleute, sei scharf, eine falsche Bewegung und er würde auf einen losgehen. Er hatte selber einen Hund einschläfern lassen, als Jäger, erzählte er, weil der zu scharf war. 3 Wochen später hätte ihn die Polizei gewollt.

Tatsächlich bin ich erstaunt über die üppige Ausgestaltung nicht nur des Foyers der BA, sondern auch der ansonsten steril kargen Bürohaus-Gänge. Überall Kunst, Gemälde, Skulpturen, Foto-Ausstellungen. Solch Luxus kann es wahrlich nur in der Zentrale und dort gehäuft in der Vorstandsebene geben. Scheele, der BA Vorstandsvorsitzende, muss aufpassen, dass die Headhunter ihm nicht diesen Kunstsachverständigen der BA wegschnappen. Oder ist es gar eine Frau, die sich in der BA übergreifend für Kunst einsetzt?

Die Ankunftszeit des Bpr verzögere sich um ca. 30 Minuten, heißt es vom BA Pressechef Weinert, ein junger Mann, der verspricht, eine erfolgreiche Karriere hinzulegen. Er vermittelt derart den 9 anwesenden Journalisten einen „königlichen Empfang“ des Bpr und seiner Lebensgefährtin. Mir jedenfalls ruft dieser Empfang historisierende Bilder wach, sei es ein König, der in der Kutsche in der Mitte seiner Eskorte oder Kaiser Wilhelm, der aus seinem Sonderzug aus Berlin kommt. Es handelt sich um einen Staatsempfang für das Staatsoberhaupt. Der PresseInfo ist zu entnehmen, dass es ein „Experten-Gespräch mit dem BA-Vorstand und dem BA-Präsidium geben wird. Der Liste der Namen entnehme ich als DGB Vertreterin Annelie Buntenbach, was mir eine leise Freude bereitet: Wir tanzten wundervoll beim DGB Parteien-Abend, wohingegen sich die coolen Köpfe bei der Linken trafen und das Establishment der sicheren Arbeitsstellen bei der SPD.

Betroffenheit zu erzeugen ist natürlich ein Anliegen der BA PresseAbteilung. Sie vermittelt sich mir durch die Beschäftigung und vor allem dem Sich Identifizieren und Wiedererkennen in den Themen Digitalisierung, Flüchtlinge und Langzeit-Arbeitslose und in den entsprechenden Zahlen.Sie sollen als solches Leid darstellen, denn Arbeitslosigkeit hat Leid zu sein, weil kein Geld und das mit der Zeit bekommen wir auch noch hin.

Genauso wenig wie ich mich als Journalist empfinde, also als Blogger nur ein Fake-Journi bin, so wenig bin ich ein Langzeit-Arbeitsloser, obwohl, ich kann mich gegen diese Definition nicht verwahren. Der Geldgeber definiert mich als solchen, so wie ein Unternehmen eine temporäre Hilfskraft, die nun aber länger und länger geblieben ist und dem Gesetz nach fest eingestellt gehört. Im Unterschied zu einem Arbeitgeber kann das BA allerdings nicht uneingeschränkt über die Arbeitskraft dieser Langzeitarbeitslosen verfügen. Zwanghaft versucht es vielmehr die Langzeitarbeitslosen durch Auflagen, Programme und Weiterbildungsangeboten zu beschäftigen, wobei die Arbeitgeberstrukturen übernommen werden: Den Beschäftigten wird gesagt, was sie zu tun haben, ansonsten werden sie bestraft. Hilfe zu Selbsthilfe findet nicht statt, z.B. zu lernen, das Leben zu genießen und sich weder durch Pflichten, Aufgaben und Anordnungen noch durch offensichtliche Stress-Situationen hetzen zu lassen, also z.B. den Happen Zwischendurch runter und rein zu schlingen, anstatt sich Zeit für das Wesentliche, die Erhaltung der Vitalkraft, zu nehmen.

An dieser Stelle kommt sofort die Aufforderung, der Schuldvorwurf: Hören Sie, wieso haben Sie uns nicht längst ein solches Weiterbildungs-Angebot für Arbeitslose eingereicht? … Meine ehrliche Antwort ist: Meine Initiativen wurden immer abgelehnt, als ungenügend zurückgewiesen und vor allem als nicht den Arbeitsmarkt-Anforderungen dienlich: Es ginge um die Ausbildung von Arbeitskraft, nicht um die Entwicklung von Lebensqualität.

Das Schöne am Beispiel der Langzeitarbeitslosen ist, dass sie sich unterscheiden in ein Segment derer, die aus irgendwelchen Gründen unfähig sind, sich in die gemeinhin vorherrschenden Strukturen des „Arbeitsmarktes“ – es wird immer nur der generalisierende Begriff verwendet, nie konkrete Arbeitsverhältnisse – zu integrieren, sich also anstellen zu lassen. Ihnen gelingt es nicht, einem potentiellen Arbeitgeber zu vermitteln, sie seien zu etwas nütze und dementsprechend mit ihrer Leistung etwas Wert.

Der geringere Teil dieser Langzeit-Arbeitslosen hat nicht nur resignativ jegliche „Integrationsbemühungen in die Sklaverei“ aufgegeben, sondern sogar vorsätzlich begriffen, dass die vorherrschende Arbeitsmoral, dieses Streben nach Einkommen, sie um Lebenszeit, um die qualitative Gestaltung ihrer Lebenszeit bringt. Der geringste Teil von ihnen versteht sich mithin als selbstständige Unternehmer einer Lebenszeit-Wirtschaft. Freigesetzt von den unmittelbaren Zwängen der Erwirtschaftung des Lebensunterhalts erblühen aus ihren Aktivitäten vielmehr eben jene wahrhaften Angebote, die das Leben erst richtig lebenswert machen. Beispielhaft weise ich an dieser Stelle auf Dietmars Berliner Liebes-Kunst-Newsletter hin.

Es sind die gesellschaftlichen Grau-Bereiche, in denen der staatliche Zugriff mangels Masse scheitert. Angebote jenseits versteuerbarer Umsätze, die also aufstellen Spendenbasis und Energie-Ausgleichs-Obulus basieren, sind es, die Aktiv machen. Der SPD Parteien Abend auf dem 21. DGB Kongress hatte mir zu deutlich vor Augen geführt, dass zwar ein paar ältere Damen sich das Vergnügen machten, die Tanzfläche zu nutzen, aber die Männer blieben, sich am Bierglas festhaltend, weg, denn wie kann ich mir nur die Blöße geben und tanzen? Genau das kreiert das Bild wohl situierter Arbeits-, Konsum- und Komfort-Verhältnisse einer TV- und Auto-Gesellschaft, in der die in ihren Einkommenspositionen etablierten Menschen passiviert ihr Leben vertun und das auch im Urlaub, dem Pauschalurlaub, in dem für das ebenso erarbeitete Geld Zusatz-Angebote, Aktivitäts-Angebote von Yoga bis Ausflug auf Kamel die Entsprechung bilden, die in der Altersversorgung die separat zu erwerbenden Zusatz-Leistungen darstellen.

Wieso bin ich dann also noch hier? Was will ich hier in diesem Ambiente der Bundesagentur für Arbeit anlässlich des Besuchs des obersten Dienstherren? Ich bin doch nur ein Negatron Teilchen des gesamtgesellschaftlichen Gefüges, ein Passierchen? Selbst wenn mich mein Haar-Schwänzchen ausweist als Alternative, besser gesagt ausweisen soll, denn dieses Zeichen eines Minimal-Mutes gegenüber dem Einheitsmeer genereller Angepasstheit, ist kaum auffällig und es wäre mir auch unangenehm, Unangepasstheit zu demonstrieren.

Schließlich kommt der Bpr gefolgt von Elke und beklatscht von neugierigen Angestellten, die es sich nicht entgehen lassen wollten am Freitag Nachmittag bevor es in den Pfingsturlaub ginge, einen Blick, einen Händedruck der ansonsten allenfalls in den ARD 20 Uhr Nachrichten erscheinenden Gestalt zu erhaschen. Zum halbstündigen, nicht Presse öffentlichen Vorgespräch geht es in den BA Ausschuss-Sitzungs-Saal. Als wir zum öffentlichen Teil eingelassen werden, verblüfft mich die Ähnlichkeit dieses Saales mit den Ausschuss-Sitzungs-Sälen im Paul-Löbe-Haus des Bundestages. Ich schließe daraus, dass die Vorgänge und das Geschehen denen in den Bundestags-Ausschüssen entsprechen, vor allem in Bezug auf die Zusammensetzung der Ausschuss-Mitglieder, die durch Fraktionsstärke bestimmt werden. Es legt eine Diskussion nahe, deren Argumente auf die jeweilige Partei-Zugehörigkeit schließen lässt, wobei gilt, dass nicht die Kraft der Argumente zählt, sondern die der jeweiligen Mehrheit.

Der Geschäftsführer der BA Duisburg, ein Hr. Rous, und sein Executive-Manager stellen ein Modell-Programm für Langzeit-Arbeitslose vor. Mit einer verstärkten Betreuungsdichte von 1 zu 100, also 1 Kundenberater auf 100 Langzeitarbeitslose, zeitigt sich eine erhöhte Erfolgsquote der Wiederaufnahme von Arbeit. Ergo: Wird dies Klientel gecoacht und gefördert, um den Weg zu finden, dann lohnt sich das für den Geld- und Wirtschaftskreislauf. Franky stimmt zu, dem Tonfall seiner Rede entnehme ich jedoch die Spur einer Traurigkeit. Meine Fantasie erklärt mir dies mit den für die SPD so traurigen Verhältnissen in Duisburg. Die Überprüfung ergibt, sie stellt dort noch immer den OB und die Mehrheit. Oder ist Franky traurig, weil er, wie die Mehrheit, glaubt, dass man glücklich nur in einem regulären Job mit gutem Einkommen sein kann? … Ja, es gibt prekäre Verhältnisse. Prekär sind z.B. die Machtverhältnisse einer Leistungsgesellschaft, in der die Geld- bzw. Einkommensmehrung als der maßgebliche Wert angesehen wird, denn weder lässt sich Liebe noch Schönheit außer bei Southeby´s in monetären Größen bestimmen, ganz zu schweigen vom Lachen der Kinder, wogegen eingewandt wird, die Kita und der Tagesvater koste, koste, koste.

So wie der Kreissaal der Ausschuss-Sitzung beansprucht, die gesamtgesellschaftlichen Phänomene abzubilden, so behauptet die Geldwirtschaft unter maßgeblicher Mittäterschaft der Finanzbehörden das Gesellschaftsleben finanziell abzubilden. Ja, es stimmt, Schönheit und Liebe kosten, kosten, kosten, aber nicht so viel wie die Misswirtschaft im Bendlerblock, aber die soll kosten, das stimuliert die Wirtschaft, soll heißen die Rüstungsindustrie darf kosten, denn sie steigert das Bruttosozialprodukt, nicht aber Kitas und Senioren-Residenzen, Schulen und Krankenhäuser, da deren Mehrwertprodukt nicht so dinglich und exportfähig ist wie ein HK G36 von Heckler & Koch.

Franky stimmt den Ausführungen des Duisburger Executives zu, womit de facto wieder ein Progrämmchen für Langzeitarbeitslose beschlossene Sache ist. Das Selbstbild der BA, einmal Sklaventreiber, Peitschenschwinger und zum anderen Sozialstation mit Gym-Charakter, kann sich feiern und zwar als massgebliche Ordnungskraft des Sozialstaates. Ein Vergleich mit anderen Ländern, außer mit der Schweiz und Norwegen, geschweige denn mit Luxemburg, zeigt, welch blühend geordneten, sicheren Landschaften durch das Wirken der BA mit ihrem neuen Chef Scheele zu Tage treten. Dieser Chef von knapp 100.000 Mitarbeitern wirkt im Verhältnis zu Franky souverän und wenn dann doch eine Spur Beflissenheit in seinem kommunikativen Handeln auftaucht, so mag das als Werben um Gunst im Beziehungsgeflecht der sozialdemokratischen Machtelite zu verstehen sein, wobei sich mir Frankys Antwort verschleierte. Anstatt dessen erinnere ich die Rede der Bpr Gattin: Als wäre Elke wieder in ihrem Gerichtssaal bei der Begründung eines Urteils erzeugte ihr stimmlicher Raumklang weitreichende, Perspektiven eröffnende Resonanzen. Dass Franky und Elke sich als Paar arbeitsteilig zuarbeiteten, stand außer Frage, dass sie aber wieder einmal als Kleopratra an Cesars Seite bzw. als Isabella de Castilla an Ferdinands Seite, also als souveräne Lebenspartnerin selbstbestimmt und zwar entgegen jeder offiziellen Legitimierung in den Verlauf der Verhandlungen eingriff, ließ fragen, wie weit inzwischen schon bei den Sozis das durch Friedrich Ebert geprägte Patriarchat herunter gekommen war.

Ihr folgt Hr. Prof. Dr. Weber. Er ist jung, die weißen Zähne blitzen, die Sprache ist klar und deutlich, wie seine Denke. Ganz gewiss lässt er sich durch Autoritäten nicht einschüchtern, er ist selber eine, nämlich wissenschaftlicher Leiter der BA. Er möchte den Technologischen Fortschritt in die Ausbildung bringen, denn er kämpft gegen die Sorge an, durch die Digi 4.0 würden massenhafte Arbeitsplatz-Freisetzungen erfolgen. Glauben wir doch seinem jugendlichen Optimismus, der sich aus seiner Intelligenz, seiner Attraktivität und … ihr, der Plattform-economy, der Crowdwork-economy rekrutiert. Bedeuten sie wirklich den Abschied von tradierten Arbeitsplätzen? Und vor allem, wo im World Wide Web sind diese Arbeitsplätze, d.h. in der BA, wo fallen die Sozialabgaben an? Wo werden sie besteuert?

Hr. Scheele, BA Vorsitzender zeigt sich abschließend beim Thema Flüchtlinge wie beschrieben beflissen kooperativ. Er weiß, was Franky und vor allem, was Elke hören will sie das er hört, dass Ebert stellt ein, nämlich Leute, die sprechen können ist Voraussetzung für die und insbesondere durch die freiwillige Arbeit läßt sich weiter fördern Sie doch Katrin ist weder geil noch genau so gut wie du bist du auch das noch mal nach Hamburg fahre ich am nächsten Weekend scheint die Sonne ist hier herrlich spannend ist das ist nicht langweilig, das ist sinnvoll schön, denn ein Königreich für einen Befehl und den dann da.

Eröffnung des Fürther Ludwig-Erhard-Zentrums

Mai 23, 2018

Freitag, 18. Mai 2018, 9.30 Uhr, Fürth, DG

Fürth Ludwig Ehrhardt Zentrum Demo 2018-05-18Dem Pressesprecher des Fürther Rathauses, Mittelsdorf, hatte ich mein Akkreditierungsschreiben übersandt. Er schickte mir daraufhin die Presse Informationen zurück, worunter sich ein besonderes Formular zum nochmaligen Ausfüllen befand. Während des DGB Kongress´ die Tage zuvor fand ich nicht mehr die Muse mir besagte Presse Infos anzuschauen und noch viel weniger für das Formular. Nun mehr, im Fürther Rathaus angekommen, wies mich Mittelsdorf und seine Kollegin ab. Eine gewisse Genugtuung konnte ich ihnen dabei ansehen oder aber auf sie als gegen mich gerichtete Missgunst projizieren. Denn derart gestalteten sich die politischen Auseinandersetzungen bei denen es darum geht, dem politischen Gegner nicht zu Willen zu sein oder ihm zur Hand zu gehen, sondern möglichst, und dies im Sinne Ludwig Ehrhardts, Konsum und Ersatzbedarf kreierenden Schaden zuzufügen. Na klar, die Emotionen sollen im Wahlkampf um die bayrische Landtags-Mehrheit hoch gehen, Wut und schließlich resignative Traurigkeit als Zeichen der Niederlage sollen den Triumpf des strahlenden Siegers küren und dieser kann natürlich niemand anderer sein als der amtierende bayrische Ministerpräsident Söder.

Vor dem Rathaus Anbau, das nun Ludwig Ehrhardt gewidmet wird, eine Gruppe von Demonstranten, die sich aus einem Bündnis von politischen Gruppen zusammensetzen. Sie demonstrieren nicht nur gegen die Steuerverschwendung für den architektonisch als hässlich empfundenen Neubau, der in seiner Bauhaus Modernität frappant im Gegensatz zur historischen Substanz des alten Rathauses mit seinem an einen Florentiner Geschlechterturm erinnernden Burgfried steht, sondern insgesamt gegen die kapitalistischen Auswüchse einer sozial-ökologisch degradierten Um-Welt. Ein älterer Herr empfahl mir in den Fürther Nachrichten den Leitartikel des Chefredakteurs, eines Schulfreundes von ihm. Der kritische Leitartikel von Jungkunz in den Nürnberger Nachrichten online ist jedoch (noch) nicht zu finden.

Das Programm der Veranstaltung anschauend, frage ich mich, wie Steinmeier & Co., also die Politiker, das eigentlich machen, Reden zu halten vor Leuten, die nicht nur wahlkampfmäßig emotionalisiert sind, sondern vor allem auch feindlich, missgünstig, schadenfroh, also nicht liebevoll einander zugewandt sind. Ich für meinen Teil erinnere, dass es mir immer erheblich zu schaffen macht, zu Leuten zu sprechen, von denen ich weiß oder aber stark annehme, dass sie mir und dem, was ich zu sagen habe, nicht wohl gesonnen sind.

Wenn ich zu denken gab, dass Bundespräsidenten Steinmeier anlässlich des Besuches einer Ausbildungsstätte, siehe: Franky und Elke machen vor – den Rahmen politischer Neutralität sprengte und diese Veranstaltung zu einer SPD Partei-Werbe-Aktion umfunktionierte, dann gilt dies für die Eröffnung des Ludwig Ehrhardt Zentrums alle Male. Söder und die CSU nutzt jede Gelegenheit, sich in Szene zu setzen, um den drohenden Machtverlust an die AfD abzuwenden.

Die Politisierung der „Massen“, der Menschen, der Leute, der Wähler, der Kreuzchen-Macher, also derjenigen, die die Vielen die Wahlkreuzchen machen lassen, nimmt mithin neue Formen an. In meinem Fall erweist sich die Politisierung am effektivsten innerhalb des Geschehens von Gruppen, Stammtischen, Partys, Workshops und Events, auf jeden Fall nicht bei Demos, Parteitagen und spezifischen Polit-Events.

 

Timmy und die Hexe Kunterbunt

Januar 8, 2017

Alles hat seinen Preishexe-kunterbunt-3

Das war Timmy klar, in diesem Bergdorf bei seiner Tante Samantha gab es noch andere magische Gestalten wie die Hexe Kunterbunt. Auf dem Rückweg aus der Stadt war er nämlich an ihrem Knusperhäuschen vorbei gekommen und hatte an ihre Türe geklopft, weil es so wunderbar und herrlich aus ihrem Küchenfenster süß und lockend duftete und da konnte er nicht widerstehen. Um ganz ehrlich zu sein, Timmy hatte den ganzen Weg durch den Wald an nichts anderes gedacht, als bei der Hexe Kunterbunt vorbei zu gehen, ob sie wieder gebacken habe und es wieder so lecker duftete bei ihr. Er kannte sie noch von den langen Sommerferien, wo er schon einmal von ihren leckeren Knusperkeksen bekommen hatte und seitdem mochte er die Hexe Kunterbunt, auch wenn sie richtig hexig, alt und wild aussah mit ihren langen, weißen Haaren, deren Rasta Zöpfe von einem Leben am Meer erzählten und von Palmen, Piraten und heißer Sonne, die ihr die runzligen Falten braun gebrannt hatten.

Artig klopfte er an der Türe ihres Knusperhäuschens und kaum hatte sie die knarrende Türe aufgemacht und ihn erkannte, sagte sie auch schon freundlich zu ihm: Natürlich bekommst du einen Knusperkeks, Timmy, doch jetzt setz dich erst einmal an den Tisch, trinke eine heiße Milch mit Honig nach deinem langen Marsch durch den Winterwald und erzähle mir, wie es bei dir Zuhause ist. Timmy guckte sie mit großen Augen an. Sollte er ihr von den Mittagstischen erzählen zu denen er und Mami Samantha gingen und wo sich so einige aus dem Dorf trafen und redeten, was es zu reden gab und es gab ja ständig etwas zu reden: Über die Nachbarn, über den Neuen, über den letzten Film, den einige zusammen im sogenannten Matratzenkino in der Stube von Heiko gesehen hatten und über das neue Dorfprojekt, die Gemeinschaftsküche. Eigentlich war noch völlig unklar, ob und was das da werden würde mit der Gemeinschaftsküche, so viel hatte sogar klein Timmy mitbekommen. Aber konnte er das der Hexe Kunterbunt erzählen, denn, das hatte er auch schon mitbekommen, die Hexe Kunterbunt war wegen der Knusperkekse im ganzen Dorf bekannt. Sie schmeckten super, einfach lecker und jeder, eigentlich jeder, ob nun Mädchen oder Junge oder Mama, Papa, Tanten, Onkel, Omas und Opas auch, alle aßen gerne von diesen Knusperkeksen, nur das war genau das Problem, sie machten nämlich dick, weil sie so süß waren und voller braunem Zucker, von Kuba, Rohrzucker.

Von daher hatte es seine Mama Samantha auch nicht so gern, wenn er die Knusperkekse von der Hexe Kunterbunt nahm. Das wusste Timmy, aber Mama Samantha wusste nicht, dass er jetzt bei der Hexe Kunterbunt saß und so gerne einige Knusperkekse von ihr bekommen hätte. Die Kunterbunt sah natürlich, dass Timmy extra und eigentlich nur wegen der Knusperkekse zu ihr gekommen war und nicht, weil er sie mochte, so, wie sie mit ihren Voodoo Zottel Haaren nun mal aussah und mit ihrem schiefen Zahn neben der Zahnlücke und mit ihrer langen Hexennase, die so lang war, dass oftmals, vor allem im Winter, wenn es schneite, ein kleiner Eiszapfen daran hing. Einen schwarzen Raben hatte sie auch auf ihrer Schulter sitzen. Der sprach mit krächzender Stimme: Wu Wu und hin ist die Kuh, wu, wu. Dabei flatterte er mit seinen schwarzen Flügeln, als wollte er zum Sprung ansetzen, um sich in die Lüfte zu schwingen.
Also, Timmy wollte einen Keks und dafür hatte er zu erzählen, so viel war ihm klar. Nur durfte er der Hexe Kunterbunt von den Treffen der Leute im Dorf erzählen? Er wusste nämlich nicht so ganz genau, ob die Hexe Kunterbunt auch dazu gehörte oder aber nicht und wenn nicht, dann erzählte er ihr ja etwas, worauf sie neidisch hätte sein können und das wollte er nicht. Er wollte ihr nicht weh tun damit, dass sie nicht dabei war, wo alle dabei waren, nur nicht sie.

Er überlegte kurz: Keks, also erzählen, außerdem, wenn er nichts sagte, wenn er einfach schwieg, dann würde die Hexe womöglich nicht nur böse, sondern … sie würde merken, dass er ihr etwas verschwieg, denn er war ja nicht verstockt. Er wollte mit ihr der liebe Timmy sein und dass sie nicht mit ihm böse wäre und er auch nicht mit ihr, weil sie ihm vielleicht keinen Keks gab, sondern ihn raus warf, weil er eben nur den Keks wollte, aber dafür nicht redete. Doch, er wollte auch die Hexe Kunterbunt lieb haben, auch wenn sie so hexig aussah, also erzählte er alles, was ihm in den Sinn kam frei heraus.

Das gefiel der Hexe Kunterbunt und alsbald stellte sie die Totenkopfschale mit den Kekslein auf den Tisch, dann nahm sie einen Keks und noch einen und noch einen. Es waren kleine, grüne Kekse und als sie ihm die Schale hin hielt, nahm er sich auch einen und dann noch einen und noch einen Dritten. Sie schmeckten rauchig duftend und so, so lecker.

Die alte Hexe Kunterbunt guckte ihn an und meinte: So, mein Kleiner, hat es dir geschmecket? Meine Kekse sind doch einfach wunderbar, nicht wahr? Timmy nickte andächtig. Ja, einfach super! Super! Super, liebe Hexe Kunterbunt, bestätigte er Kopf nickend. Na siehste, Timmy, die Kekse schmecken dir. Und schmeckt dir auch …. ? … ihre lange Nase wandte sich fragend an die Decke, ihre Augen suchten und fanden auf der Küchenfensterscheibe einen bunten Schmetterling. Nein, nein, murmelte sie, der schmeckt dir, Räbchen Schwarz und dir, Timmy, was schmeckt denn dir? … Hm? … Timmy überlegte kurz. Eine Dattel, sagte er. Eine Dattel?, wiederholte die Kunterbunt fragend. Eine Dattel, also, die ist echt süß und kostbar Timmy, kostbar. Was erzählst du mir für eine süße, große Dattel, Timmy?

Oh, das war richtig direkt. Ihm schmeckten zwar Datteln, aber so richtigen Appetit hatte er eigentlich nur auf die Knusperkekse gehabt. Die Hexe Kunterbunt stand auf, ging zum Schrank, machte ein Türchen auf und sagte: Komm, Timmychen, komm, hier habe ich Datteln. Schau! Komm! Er sollte kommen, obwohl er doch eigentlich gar nicht so richtig Datteln wollte. Er fand Datteln gut, aber eigentlich wollte er nicht unbedingt Datteln und vor allem, weil er was erzählen sollte für eine Dattel, die er nicht so unbedingt wollte, wollte er auch nicht so unbedingt zum Schrank und zur alten Hexe Kunterbunt rüber gehen. Außerdem wusste er gar nicht, was er hätte erzählen können, denn er hatte gar nichts mehr zu erzählen, dachte er. Von Mama Samantha und Tante Klara hatte er alles erzählt und am Montag ging es wieder in die Schule. So stand er verlegen auf und sagte: Ich mag jetzt keine Datteln und fast eingeschnappt: Zu erzählen habe ich jetzt auch nichts. Ich will jetzt nach Hause gehen, liebe Hexe Kunterbunt. Dabei schaute er sie ein wenig besorgt an, ob sie ihm das jetzt krumm nahm, so krumm, wie ihre Finger waren, ob sie ihm also böse war. Irgendwie hatte er das Gefühl, die Kunterbunt wäre nicht zufrieden gewesen mit dem, was er vorhin für den Keks erzählt hatte, dass sie mehr von ihm wollte, viel mehr, so viel, wie Mami, wenn sie mit ihm im Bett kuschelte und an seinem Ohrläppchen knabberte. Dass das die Hexe Kunterbunt auch wollte, verstand er zwar, aber das war ihm einfach zu nah, denn sie war doch eine alte Hexe mit so einer langen Nase und solch einem krummen Zahn.

Ich gehe jetzt … mal lieber … sagte er nur noch ganz leise und war sich sicher, dass sie es nicht gehört hatte, denn sie lachte ihn an, wobei ihre Zähne hell im Mondlicht leuchteten, obwohl sie gar nicht so weiß waren. Ja, dachte er sich, vielleicht würde sie mich in den Offen stecken und Knusperkekse aus mir machen und mich dann zwischen ihre Zähne stecken und das will ich nicht.

Das willst du nicht, aber ich, lachte die Hexe Kunterbunt und du weißt ja, die Knusperkekse, Timmy, die Knusperkekse. Timmy war schon aus der Tür hinaus und guckte noch mal zur Hexe Kunterbunt zurück und grüßte: Einen schönen Abend noch, liebe Hexe Kunterbunt und damit drehte er sich um und stapfte den Weg hinauf durch Schnee nach Haus, kahl die Bäume, Äste dürr, doch rote Äpfel hingen dran und Blumen reckten ihre Köpfe rot und blau hoch aus dem Weiß, der Schnee. Ein Zauber lag in der Luft, ein Flirren zwischen den Sternen und Mondenschein hell das Licht der Welt lag auf der Wiese und leuchtet aus dem Stubenfenster, wo Mami Samantha am Herd in der Küche stand. Lügen konnte und wollte er nicht als er auf der warmen Ofenbank saß und die abwartende Stille von Mutti Samantha am Herd nicht mehr aushielt. Na klar, sie wollte wissen, was er gemacht hatte und was er erzählen würde. Er wäre bei der Kunterbunt vorbei gegangen und hätte drei kleine Kekslein bekommen, aber dann sei er lieber nach Hause gekommen als er auch noch Datteln hätte essen sollen und dafür etwas erzählen. Das sei komisch gewesen, als wenn eine Kraft ihn ergriffen hätte und diese Kraft sei stark gewesen und er habe sich richtig anstrengen müssen, um sich frei zu machen und um ohne weder der Hexe Kunterbunt noch sich weh zu tun, nach Hause zu kommen.

Hm … meinte da Mama Samantha, wobei sie zu seinem Bett hinüber ging und das Federbett aufnahm, das Fenster öffnete und es zum Fenster hinaus ausschüttelte. Kälte kam herein, doch es störte sie nicht, es brauchte frische Luft in der Stube und so ließ sie die Bettdecke einen Moment noch über den Fenstersims hängen, ehe sie es wieder schloss und die frische Bettdecke zurück legte aufs Bett, in dem er als bald einschlief.

Der Wink von oben

April 14, 2014

Schauspiel Leipzig zur Verleihung des Caroline-Neuber Preises 2014 an Gisela Höhne und das RambaZamba Theater Berlin,   DG

Zum RadioInterview mit Gisela Höhne

Es war spät geworden, die Fraktionssitzung in einem der Türme des Reichtagsgebäudes in Berlin zog sich, die Frage, welche Auswirkung die Aufkündigung der Koalition von Sozialisten und Grünen in Paris habe und das kurz vor den Europa-Wahlen, hatte die erhitzten Gemüter erregt. Sitzungsende, die Rufbereitschaft zitierte den Fahrer einer schwarzen Limousine aus Stuttgart, der öffnete Manfred von Deuben den Wagenschlag, dann sank er müde in die weiche Polsterung des Erlebnisraumes im Heck.Bild Die Lichter der Stadt glitten an ihm vorbei, auf TV in der Rücklehne hatte er keinen Bock, Radio, Suchlauf, doch schon war er wieder in Gedanken versunken und sein Fahrer auf der Avus. Eine halbe Stunde später wachte Manfred von Deuben wieder auf, EthnoJazz, dann ein Interview. Es war ein freier RadioSender aus Leipzig, irgendwelche Leute meinten, sie könnten Radio machen und über das Weltgeschehen berichten. Es ging um Theater, ein Preis wurde verliehen, ein Frauen Preis. Eine Caroline Neuber hatte im 17. Jahrhundert Theater gemacht, das erste Mal ein festes Haus und Festanstellungen für die Schauspieler geschaffen, sie starb völlig verarmt, nun wurde sie erinnert mit einem Preis, der in ihrem Namen vergeben wurde und zwar nur an Frauen, in diesem Fall an eine Gisela Höhne, wohnhaft in Berlin. Mensch, der Interviewer, das war doch Uli Hartmann, ein freier Journalist, der ihn vor Tagen für Welten online interviewte. Oh, Man, was redete der? Und die Höhne erst. Es ging um Behinderte, um Mongoloide, heute hießen die Trisognomie 21 oder Downsyndrom Leute, die spielten Theater und die Höhne war die Regisseurin. In Berlin hatte sie ein Theater für diese Behinderten aufgebaut. Dass das möglich war …, das war schon beachtlich.

Plötzlich erzählte die Frau, ihre Trisgnomieleute forderten, Sex haben zu dürfen. Sollten sie doch, dagegen hatte von Deuben nichts, bestimmt nicht. Aber nicht nur Sex, sie wollten Babys haben, sie wollten nicht aussterben, denn heutzutage würden 95 % aller Trisognomie Embroys wegen der Früherkennung abgetrieben. Keine Mutter oder nur sehr wenige, fanden sich mit einem Downy ab. An dieser Stelle spürte er förmlich, wie der Interviewer Uli Hartmann immer stiller wurde, so als ducke er sich weg, so als wäre er überhaupt nicht da. Feigling!, dachte von Deuben. Warum sagt er der Höhne denn nicht, dass diese Kinder eine Belastung sind, dass sie nur Geld kosten und zwar richtig deftig viel und dass die Gesellschaft mit ihnen nichts anfangen könne und sie der Gesellschaft nichts bringen würden, dass sie keinen Mehrwert erwirtschaften, kurz, dass es das beste für sie wäre, gleich von vornherein abgetrieben zu werden und sich ein Leben unter diesen Umständen von Behinderung, geistiger Beeinträchtigung und körperlicher Unschönheit, um das mal so zu benennen, zu ersparen? Stattdessen verkroch sich dieser Hartmann in ein dunkles Schweigen – Feigling! Überhaupt, die Höhne sagte es doch selber, die sind dumm, die sind wirklich geistig behindert. Das hieß doch, dass sie gar nicht in der Lage waren, solche politischen Forderungen aufzustellen. Kam denn dieser Hartmann nicht darauf, dass die Höhne und die ganze Truppe der Behindertenpädagogen es diesen Downys in den Mund gelegt hatten, denn die konnten doch nur nachplappern, was Man ihnen einflüsterte? Nein, nein, es war schon gut, dass Downys abgetrieben wurden, dass die Früherkennung diesen menschheitlichen Balast noch vor der Geburt, vor der Enstehung wirklichen Lebens verhinderte.

Am nächsten Tag überreichte Manfred von Deubens Sekräterin ihrem Chef die angefallene Korrespondenz. Im Stapel fand sich eine goldgerahmte Einladung des Leipziger Kulturamtes zur Verleihung des Caroline-Neuber-Preises an besagte Gisela Höhne und ihr RambaZamba Theater. Jessica, seine Sekretärin, hatte vermerkt, dass Heinz Manga, der Vorstandsvorsitzende der Android AG, die Einladung vermittelt habe und er sich freue, mit ihm bei der Preisverleihung den Abend zu verbringen. Mit Manga hatte von Deuben tatsächlich zu reden und es war eine Gelegenheit diesen Herren begleiten zu dürfen.

Von Deuben war einwenig pikiert, als er von Manga am nächsten Abend bei der Preisverleihung erfuhr, seine Tochter habe ein Trisognomie Kind. Sie saßen in der zweiten Reihe des Theatersaales, etwas links neben der Höhne in der ersten Reihe, die mit dreien ihrer Downys auf die Bühne kam, um den Preis entgegen zu nehmen. Von Deubner fand sie abstoßend, aber er würde auch diesen Abend, jeden Schein wahrend, erfolgreich hinter sich bringen. Er hatte nur schweigsam das Theaterstück dieser Downys zu ertragen, um noch ein paar Worte mit Manga wegen möglicher Parteiunterstützung in Software Form beim anschließenden Empfang wechseln zu können. Dann brach das Inferno dieses Theaterstücks „Am liebsten zu dritt“ über ihm los und zwar mit Musik, Klamauck, Klatschen und Lachen und allgemeiner Erheiterung, der er sich selber nicht erwehren konnte. Tatsächlich, es ging so weit, dass er seine kritisch ablehnende Haltung gegenüber den Downys vergass. Es war nicht nur ihre beschwingte Heiterkeit, ihre unbekümmerte Offenheit mit der sie voller Fantasie in ihrem Stück für ihre Rechte eintraten, es war vielmehr eine plötzliche Eingebung, die ihn erfaßte nämlich, wie wären wohl die Menschen, wenn ihnen jede Last genommen und sie ohne Zwang und Sorge sich sonnen könnten im Licht der Herrlichkeit dieser Schöpfung? Ja, sie wären wohl wie diese erwachsenen Kinder, die die Liebe, die Zuwendung und Aufmerksamkeit der Muse, der Theaterleute und der Regisseurin Höhne ihm da auf der Bühne nahe brachten. Er wunderte sich über sich selbst, über das warme Gefühl, das ihn plötzlich für diese Menschen einnahm. So gar nicht mochte er sich mehr an seine vorherigen Gedanken erinnern, ja, er schämte sich ihrer. Es war gut, dass die Downys da waren, dass sie lebten und dass die Gesellschaft durch sie eben die Aufgabe hatte, nicht daran zu denken, was sie für ihr Geld zurück bekam, sprich es ging nicht so sehr um das Geld, wie er sah, sondern vielmehr um die Offenheit und Liebe für diese eben noch mitleidig angesehenen und nun mehr aus dem Himmel der Schöpfung zurück gebenden Behinderten.

Franziska, die Behinderten Therapeutin, die während der Vorstellung drei Reihen hinter den Herren gesesen hatte, wußte noch eine ganz andere Geschichte zu erzählen:

Pausen im Gespräch

 

Von Menschenopfern und anderen Ungeheuerlichkeiten

Dezember 11, 2012

Leipzig im Dezember 2012, DGAdornoFreud1

Brutal! Ich glaub alles nicht. Uli kratzte sich am Kopf. Natürlich, er hatte diesen Text geschrieben und nun war er weg. Am vergangenen Wochenende die Tagung Kritische Theorie – psychoanalytische Praxis, das Eröffnungsreferat von Prof. Türcke, Kunsthochschule Leipzig. Nicht der berühmte Ägyptologe Prof. Assmann aus Heidelberg eröffnete die Tagung wie angekündigt mit einem Vortrag über die alt ägyptischen Opferriten, sondern der theologische Philosoph Türcke mit einer eigens aus der Schublade gezogenen Idee, die er im Stile des Universalisten Freud mit dem Titel „Opfer und Menschwerdung“ überschrieb und nun den erwartungsvollen Tagungsteilnehmern – einigen Hochschulprofessoren, eine Reihe von Studis und ein paar tätigen Psychoanalytikern – präsentierte. Es war ein eindrücklicher, in sich geschlossener Vortrag von Gedanken, von Hin- und Herleitungen, die zwar logisch erschienen, doch zu unglaublichen Erkenntnissen führten. Genau deshalb entstand der Wunsch in Uli, den Vortrag als Text vor sich zu haben, um diesen abstrusen Unmöglichkeiten nachzugehen, sie nachzuvollziehen, denn gehört und als folgerichtig verstanden, wurden sie durch die nächsten Einsichten verdrängt, so dass sie sich auftürmten zu einem Verständnis davon, woher die menschliche Kultur ihrem Ursprunge nach käme.

Dass war nun eine Woche her und Uli hatte zu rekonstruieren, denn seine ursprüngliche Aufzeichnung blieb verschwunden und das trotz intensivster Suche. Er ärgerte sich, fragte sich gar, ob er nur geträumt hätte über diese Tagung geschrieben zu haben, aber er war sich sicher. Wo war dann diese schon einmal verrichtete Erinnerungsarbeit? Für gewöhnlich schrieb er seine Eindrücke in sein Tagebuch. Sein Laptop speicherte dieses nicht nur auf der internen Harddisk ab, sondern mittels eines online arbeitenden Synchronisationsprogramms wurde es noch einmal extern abgespeichert und war derart auf seinen anderen Computern verfügbar. Das Synchronisationsprogramm speicherte alte und gelöschte Versionen. Er suchte sie durch, nichts. Auch das war unfassbar, unglaublich. Wie konnte das passieren? Wann, wo, wie hatte er einen Fehler gemacht? Zum Ärger gesellten sich Selbstzweifel. Er war ein Versager, eine Null, ein Nichts. Immer, immer wieder machte er Fehler, die seine Leistungsfähigkeit herabsetzten und das in dieser Konkurrenzgesellschaft. Verzweiflung über sich selbst stieg in ihm auf. Er tat sich selber Leid.

Ein anderer Gedanke, als paranoid würden ihn die Psychoanalytiker bezeichnen, ging der Fantasie nach, dass jemand von außen in sein Sychronisationssystem eingedrungen sei und den Text schlicht gelöscht habe. Man wolle nicht, dass er den, Freuds Theorie verbiegenden Vortrag kritisiere und damit den Theologen und dessen Gottesverständnis, denn das war eine Kritik an den herrschenden Gesellschaftskräften, die insbesondere im sächsischen Leipzig christlich dominiert waren.

Es blieb nichts, als noch einmal die Tagung Revue passieren zu lassen und seine Kritik an Türcke neu zu formulieren. Wieso? Es war der professorale Stachel, der schmerzte und den es zu entfernen galt.

Nach besagtem Vortrag hatte er wie erschlagen da gesessen und nichts zu sagen gewusst. Andere waren aufgestanden und hatten das Mikrophon ergriffen und kommentiert, Dank gesagt und kritisiert. Was hatte der Wirth, Hans Jürgen, gesagt? Wirth war bedeutsam für Uli, denn er hatte gerade dessen Buch „Narzissmus und Macht“ entdeckt. Die Freudsche Triebtheorie habe der Türcke falsch ausgelegt. Der eine Prof. wagte es den anderen, Türcke, zu kritisieren und er kritisierte ihn noch einmal am nächsten Tag. Spannung. Wirths Co-Referent, ein Promovend von Türcke versuchte nun mehr sich für seinen Prof. ins Zeug zu legen und Wirth zu kritisieren. Autoritäten, die sich in Abrede stellten, die einander richtig stellten, korrigierten und kein gutes Haar an einander ließen, daher die Glatzen, Gesichtsverlust, Autoritätsverlust, Machtverlust. Das Bild einer harmonisch stimmigen Welt von richtig und wahr zerbrach, zerfiel und machte das, was soeben noch als fast göttlich zu nennende Wahrheit erschien zu einem Meinungs- und Auffassungsstreit und nicht nur das, jeder der Anwesenden war selber gefordert mit seiner Wahrheit, mit seiner Einsicht beizutragen und mit zu tun in diesem Streit um das, was wahr wäre und was von daher am besten für die Menschen, konkret die Klienten, die Analysanden und letztlich für einen selbst sei.

Beim geselligen Abend wurden bezüglich der wissenschaftlichen Streitkultur Geschichten erzählt. Auf der Tagung anno 2003 anlässlich des hundertsten Geburtstags von Adorno wurde fürchterlich gestritten. Ein Mensch sei aufgetreten, der ihm im Habitus, in der Art der Rede, geglichen habe, ein Mime, und Professoren seien wutschnaubend hinaus gerannt, während andere Wut schnaubend auf den Tisch geschlagen hätten. Mithin, wenn da der eine den anderen kritisierte, dann sei das noch gar nichts.

Ersichtlich wurde nur, dass sich die Christenfraktion, um nicht zu sagen die Monotheisten, mit den Pluralisten die Kante gaben. Türcke hatte die Opferung von Menschen in religiösen Ritualen zum Ausgangspunkt universal menschlicher Kulturbildung hoch stilisiert. Es müsse einen Ursprung geben, ein Ereignis am Anfang, eines, dass in seiner singulären Bedeutsamkeit am Anfang der Menschheit stünde. Das klang sehr nach dem Freudschen Urvatermord, den die Brüderhorde unternahm und aus dem die christliche Urschuld erwüchse.

Dieselbe Methodik Freuds wird erkennbar in dessen Narzissmus Forschungen, logische Deduktionen, die sich aus der Betrachtung der Analysen ergeben und auf die Entwicklung des Primär- zum Sekundärnarzissmus schließen lassen. Die Säuglingsforschung, die konkret mittels diverser Untersuchungsmethoden: Videos, Experimente, Langzeit Beobachtungen, die Entwicklung von Säuglingen untersuchte, widerlegt nun teilweise Freud, bestärkt seine Ergebnisse aber auch. Kurz, die empirischen Forschungen relativierten Freuds Einsichten und so mutmaßte Uli verhielte es sich auch mit dem Menschenopfer.

Sie saßen sich bei einem Wein gegenüber, als Uli Türcke zu denken gab, es habe gewiss Hochkulturen wie die Azteken gegeben, die das Menschenopfer praktizierten, auch sei es in der biblischen Abraham und Isaac Geschichte als ein Relikt, als eine Möglichkeit aus der Vorzeit aufgetaucht, aber es ließe sich nicht generalisieren, dass das Menschenopfer universell sei, also von allen Menschheitskulturen praktiziert worden wäre, jedenfalls sprächen dafür nicht die Befunde der ethnologischen Forschungen. Türcke ging darauf nicht ein. Unerwidert ließ er Ulis Argument im Raum stehen und wandte sich einem anderen Tischnachbarn zu. Für ihn galt: Am Anfang stand der Schrecken, die Erfahrung des Todes, der Tod eines Familien-, eines Stammesmitgliedes, die menschliche Ohnmacht gegenüber der Gewalt des Todes, der Verlust. Das sei der Ausgangspunkt einer psychologischen Entwicklung, die zwar nicht die Gewalt des Todes aus der Welt schaffen konnte, jedoch dazu führte, den Tod selbst herbei zu führen, aus der Ohnmachtsposition also in ein aktives Handeln zu kommen. Gehuldigt wurde mit dem Menschenopfer also jener Macht, die als Todesgewalt allgegenwärtig war. Sie sollte durch das Opfer besänftigt werden. Die Furcht vor dem Tod ergab demzufolge auch den Ursprung für die Gottesidee. Ja, selbst die Sprache als veräußertes und materialisiertes Denken resultiere aus diesem psychologischen Aneignungsprozess der Todesgewalt, denn die Emotionalität der Furcht münde in den Urgrund des seelischen Geschehens, dass sich über die Stufen von Halluzination, Imagination bis hin zur Grundlage des Denkens und der Begriffsbildung, dem Vorstellungsvermögen erstrecke. Das waren durchaus logische Herleitungen, beeindruckende Erklärungen eines „So könnte es gewesen sein“, mithin ein Indizienprozess, der zu Türckes Indizienurteil führte. Uli zeigte es die Kraft, die die Vernunft der Logik hatte, sie blendete mit ihrer Strahlkraft andere Fakten aus.

Bezüglich seiner ersten ersten Textversion kam er nun zu dem Ergebnis, er habe wahrscheinlich mit verschiedenen Tagebuchversionen gearbeitet und die mit dem Text schlicht überkopiert. Dennoch, die Möglichkeit bestand und zwar nicht nur für einen tyrannischen Staat und für Hacker, sondern schlicht zu Zwecken der Kommerzialisierung seitens der Synchronisationsfirma, dass in seine Daten eingegriffen wurde.

Fußball

Juni 19, 2012

Von Vermassung und Vergemeinschaftung, von Brot und Spielen bis zu Lebensfreude und gesellschaftlichem Wohlstand reicht der individuelle Fun im Park bei Sonnenschein und Siegesgewissheit geht immer wieder die Sonne auf die hab ich es abgesehen und der auf den Mund und rein die Curry Wurst schmeckt zum Bier vom Fass zapft der Jobber Schweiß gebadet rennt der Schiedsrichter zum Elfmeter Punkt, doch unser Kommentator hat es anders gesehen und schimpft, während die Masse buht infernalisch mit Getös´ dröhnt ein Tiefflieger übers Land peitscht der Regen in Strömen fließt das Geld in die Banken sagen viele kleine Schritten seien zu gehen Sie, gehen Sie vergessen die großen Schritte im Allerlei des Alltags versinkt das Einerlei im Jubelschrei: Tor! Tor! Tor! heißt ein Gott und du bist der Narr auf der Bühne im Licht erscheint sie ist schön, schöner als die Sonne am Morgen danach war es vorüber

Schachmatt

Juni 8, 2012

Wieder Schachmatt und im Abseits auf das Wartegleis der Hoffnung abgedrängt ins Aus, erledigt, auf jeden Fall weg vom Wesentlichen und daher fast im Nirgendwo der unübersichtlichen Vielheit des Alltagsgeschehens, des Gewöhnlichen, des Bedeutungslosen eines flachen, platten Lebens ohne Ziel, Aufgabe und Sinn, das in der Weite einer Leere einem Gehöft gleicht, um das her Wälder, Äcker, Wiesen die Wand bilden demjenigen, der ohne Auto, Fahrrad, Pferd die Tagesmärsche zählt bis zur nächsten Stadt, die anders ist und Verbindung zur Welt.